Homicide – David Simon

5 Okt

Homicide, David Simonawesomatik auf Buchfühlung
Homicide – David Simon

So! Da sag  doch einer, eine Woche Krankenhaus hat nicht auch etwas Gutes. Mehr konnte ich mir nicht wünschen, um den oben abgelichteten Schinken (650 Seiten) durchzuarbeiten. Wer sich schonmal auf meinen Blog verlaufen hat, der weiß um meine Obsession mit der Serie „The Wire„. Nachdem ich die 5 Staffeln in einem Zug weggeglotzt hatte, wollte ich mehr. Ich habe daraufhin David Simon und Ed Burn’s „The Corner“ gelesen (Hier geht’s zu meiner Rezension) und bin im Anschluss auf das Buch „Homicide“ gestoßen. Die beiden Bücher gehören quasi zusammen wie Yin und Yang. Während  „The Corner“ den täglichen Kampf von Brennpunktbewohnern in Baltimore beleuchtet  (Drogenabhängigen, Kriminellen u.a.) wechselt David Simon mit „Homicide“ die Seiten.

Als „embedded journalist“ hat er ein Jahr lang die Mitarbeiter der Mordkomission von Baltimore begleitet und erneut ein episches Werk über Mord und Totschlag, Kameradschaft und Politik geschrieben. Wie immer geht es David Simon weniger um Kriminalstatistiken sondern vielmehr um die Menschen, die diesen extremen Beruf ausüben. Vom ersten Anruf über die Begehung des Tatortes bis hin zu Papierkram und Gerichtsverhandlung. Akribisch beleuchtet er jeden noch so kleinen Aspekt der Arbeit und zeichnet gleichzeitig ein akkurates Portrait der Ermittler. Schwarz-humorig, trinkend, fluchend und überarbeitet stecken die Detectives wie Besessene ihr Herzblut in jeden Fall, was mitunter zu erheblichen Problemen im Pivatleben führt. Der tägliche Umgang mit Gewalt und Tod führt zu einer außergewöhnlichen Kameradschaft in der Truppe, die unter extremen Druck steht eine hohe Aufklärungsrate einzufahren, was wiederum zu personellen Spannungen führen kann.

Fazit
Wer sich wirklich für das Thema interessiert, wird kaum ein besseres Buch finden. David Simon ist ein gewissenhafter Journalist, der wie seine Protagonisten, besessen von seiner Arbeit ist. Er ist stets an vorderster Front dabei. Ob auf Streife, im Gerichtssaal, bei Oduktionen oder beim after-work saufen, Simon entgeht nicht das kleinste Detail. Er lässt sich dementsprechend viel Zeit bei der Darstellung der Abläufe und bei der Portraitierung der Polizisten. Es gibt keine wirkliche Geschichte. Vielmehr hangelt man sich wie die  Ermittler von Fall zu Fall, wobei bei einem Mord z.B. der Aspekt der Spurensicherung im Vordergrund steht und bei einem anderen Fall die Befragung von Zeugen beleuchtet wird. So fügt sich am Ende alles zu einem Gesamtbild zusammen.

Das Buch hat keinen Spannungsbogen, da es keine fiktive Geschichte ist, die künstlich auf  einem Höhepunkt gesteuert wird. Die mangelnde Spannung wird aber durch Simons Schreibstil mehr als wettgemacht. Seine Begeisterung für die Arbeit der Ermittler überträgt sich nahtlos auf den Leser.
Einzig die Vielfalt der Informationen beeinträchtigt gelegentlich den Lesefluss. Es gibt so viele Polizisten, Kriminelle, Fälle, Statistiken, Zeugen usw. dass man sich manchmal darin verliert. Mir hat es geholfen das Buch an einem Stück zu lesen. Andernfalls hätte ich wohl ewig dafür gebraucht. Wer ganz faul ist, kann sich natürlich auch die Serie zum Buch anschauen.
Nach 5 Staffeln „The Wire“ und den beiden Büchern „The Corner“ und „Homicide“ (Insgesamt um die 1300 Seiten), kann ich mich jetzt offiziell  Experte für Kriminalität, Politik und Strafverfolgung in Baltimore, Maryland nennen.

Wertung 4/5

1. Geht gar nicht     2. Is OK     3. Gut    4. Richtig gut     5. awesomatik!

awesomatik Kuriosum
Als nächstes steht dann wohl David Simon’s neue Serie „Treme“ über New Orleans nach „Kathrina“ auf dem Programm. 

Was ich sonst noch so lese erfahrt ihr übrigens hier!

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