Der Kosmonaut

23 Okt

awesomatik auf Buchfühlung
Le cosmonaute
– Philippe Jaenada

Ein Mitte 30 jähriger Junggeselle trifft auf einer Hell’s Angels Hochzeit auf die Frau seines Lebens. Nachdem sich die erste Begeisterung gelegt hat, enpuppt sich die große Liebe als manisch aggressive Neurotikerin, die nach kurzer Zeit auch noch sein Kind trägt. Jetzt muss der ewige Junggeselle die süße Freiheit gegen ein Leben in privater Gefangenschaft eintauschen…Leider wurden die Bücher von Philippe Jaenada (noch?) nicht ins Deutsche übersetzt, so dass diese Empfehlung für meine französisch-sprachigen Leser ist.

Dies ist der dritte Roman, den ich von Jaenada lese.  Wie die meisten hat mich sein Erstlingswerk  „Le chameau sauvage“ auf ihn aufmerksam gemacht. Eine genial witzige Liebesgeschichte, die Lust auf mehr gemacht hat. Ich habe daraufhin „Vie et mort de la jeune fille blonde“ gelesen. Auch wenn hier der einmaligen Stil von Jaenada wiederzuerkennen ist, fühlt sich die Geschichte  unfertig und banal an. Ich vermutete, dass es wie bei so vielen Autoren und Regisseuren bei einem außergewöhnlichen Erstling bleiben würde, wollte ihm aber mit „le cosmonaute“ noch eine Chance geben.

Zum Glück, denn mit „Le Cosmonaute“ findet Jaenada zu alter Stärke zurück. Schreiben kann er. Und wie! Mit seinem ganz eigenen ironischen (teils sarkastischen) Stil, läßt er den Leser an seinem Leben teilhaben (seine Romane haben starke autobiographische Züge). Normale Alltagssituation beschreibt er mit so viel Witz und Charme, das ich mehr als einmal laut lachen musste.
Der erste Teil hat einen sehr positiven Grundton. Es geht um das Kennenlernen seiner Freundin, die ungewollte Schwangerschaft und den langen und beschwerlichen Weg zur Geburt seines Sohnes. Im zweiten Teil wendet sich das Blatt und der Erzähler erträgt geradezu masochistisch die manisch diktatorischen Eskapaden seiner Frau, die mit jedem Tag verrückter zu werden scheint. Hier greift der Autor vornehmlich auf Galgenhumor zurück. Doch je länger er die Obsessionen seiner Frau Pimprenelle aushält, desto mehr überträgt sich das Unbehagen und das Gefühl der Enge und Gefangenschaft auf den Leser. Man wartet darauf, dass der Erzähler endlich explodiert und diesem Schrecken ein Ende setzt. Ob er im letzten Akt einen Ausweg aus seiner Misere findet, soll hier aber  nicht verraten werden.

Fazit
Philipe Jaenada hat mir mit „le cosmonaute“ bewiesen, dass er mehr als ein „One hit wonder“ ist. Er ist zwar kein Anwärter auf den Literaturnobelpreis, dennoch wünschte ich, dass seine Bücher ins Deutsche übersetzt würden, damit er auch die international die Anerkennung bekommt, die er verdient.
Denn seine unprätentiösen Geschichten drehen sich meist um Alltagsbegebenheiten, die erst durch seinen unverwechselbaren selbstironisch-schlüprig-sarkastischen Schreibstil zu einem außergewöhnlichen Leseerlebnis werden.  Wer jetzt Lust bekommen hat, dem würde ich empfehlen zuerst „Le chameau sauvage“ und dann „le cosmonaute“ zu lesen, da es auch chronologisch wunderbar zusammenpasst.

Was ich sonst noch so lese, erfahrt ihr hier.

Wertung 3,5/5

1. Geht gar nicht     2. Is OK     3. Gut    4. Richtig gut     5. awesomatik!

Le cosmonaute, Philipe Jaenada
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Le cosmonaute

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2 Antworten to “Der Kosmonaut”

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