Das Geheimnis des 13. Apostels

11 Apr

Le secret du treizième apôtre

awesomatik auf Buchfühlung
Das Geheimnis des 13. Apostels – Michel Benoît

Die beiden Mönche Nil und Andrei leben in der französischen Abtei St. Martin, wo sie sich dem Studium der Kirchengeschichte widmen. Dabei stoßen sie auf Spuren, die auf einen 13. Apostel hinzudeuten scheinen. Andrei reist für weitere Recherchen nach Rom und wird auf der Rückfahrt ermordet. Ein kryptischer Hinweis bei der Leiche seines Freundes veranlasst Nil die Arbeit seines Glaubensbruders fortzuführen. Ein gefährlicher Job – denn längst sind die Kirchenväter des Vatikans hellhörig geworden.

Ich wollte mal wieder einen französischsprachigen Thriller lesen und bin zufällig in Paris auf dieses Buch gestoßen. Ich fand das Cover und den Titel ansprechend obwohl ich weder Dan Brown noch sonstiges religiöse Verschwörungsromane gelesen habe. Ausschlaggebend für den Kauf war schließlich die Vita des Autors: ein ehemaliger Mönch und Dr. der Biologie, der seinen Orden 1984 verlassen hat, weil die Kirche seine Nachforschungen über das Leben Jesus missbilligt hat. Dieser Lebenslauf verleiht einem solchen Roman natürlich die nötige Glaubwürdigkeit.

Tja, so kann man sich täuschen. Das Buch beginnt relativ verwirrend mit parallelen Erzählsträngen. Einerseits folgt der Leser dem Protagonisten Bruder Nil bei seinen Recherchen während analog dazu die Geschichte um die Machtbestrebungen der 12. Apostel vor und nach der Kreuzigung Jesus erzählt wird.

Dummerweise bin ich, dank meiner alt-68er Eltern, wenig bibelfest, was in diesem Fall zu meinem Nachteil werden sollte. So hatte ich einige Schwierigkeiten die diversen Apostel, jüdischen Sekten und sonstigen religiösen Protagonisten vernünftig einzuordnen. Aber ich schätze auch Bibelfestigkeit schützt hier vor Langeweile nicht. Die Geschichte mäandert spannungsfrei vor sich hin. Die Schreibe ist amateurhaft und die Charaktere flach wie Esspapier.
So tauchen z.B. zwei Auftragskiller jüdischer und arabischer Herkunft auf,  die trotz konträrer religiöser Ansichten zusammenarbeiten um Bruder Nil zu stoppen. Das ganze wirkt lächerlich konstruiert. Natürlich haben auch die Pius Brüderschaft,  Opus Dei und ein gewisser Kardinal Catzinger ihre Finger mit im Spiel (Man braucht kein Genie zu sein, um zu erahnen, wer damit gemeint sein könnte).

Der Autor scheint zudem ein sehr eigenwilliges Weltbild zu pflegen. Alle Protagonisten sind Männer und die einzige Frau, die in Erscheinung tritt ist eine Prostituierte. Die muss dann auch für die wahllos eingestreuten Sexspiele der bösen Geistlichen herhalten.
Dafür wird die keusche Männerliebe unter Mönchen als wahre und reine Liebe dargestellt. Überhaupt scheint der ganze Roman nur ein Instrument zur Propagierung von Meinungen und Neigungen des Autors zu sein.

Fazit
Obwohl die Geschichte um den 13. Apostel und die Wiederauferstehung Jesus durchaus faszinierend ist, hat Michel Benoît es leider nicht geschafft daraus einen spannenden Roman zu spinnen. Dafür scheinen ihm außerdem die schriftstellerischen Möglichkeiten zu fehlen.
„Das Geheimnis des 13. Apostels“ bleibt somit ein Sachbuch unter dem Deckmantel eines Thrillers. Schade, denn mit diesem Genrewechsel tut Benoît sich und vor allem dem Leser keinen gefallen.
Vor allem über die Enstehungsgeschichte der Institution Kirche bzw. Benoîts Überlegungen zur Person Jesus als Ausgangspunkt der monotheistischen Religionen Islam, Judentum und Christentum hätte ich gerne mehr gelesen. Das Nachwort über die tatsächliche Kirchenforschung um den 13. Apostel ist dann auch interessanter als der gesamte Roman.
Insgesamt kann ich dieses Blätterwerk daher nicht empfehlen. Für mich als Agnostiker war die Lektüre allerdings ein guter Anlass die Fundamente unseres Glaubens im Nachgang noch einmal aufzufrischen (bzw. bei Wikipedia nachzulesen).

Wertung 1,5/5

1. Geht gar nicht     2. Is OK     3. Gut    4. Richtig gut     5. awesomatik!

awesomatik Kuriosum
Für alle die das Buch jetzt wohl nicht mehr lesen möchte, enthülle ich hiermit das Geheimnis! Es hat wohl tatsächlich einen 13. Apostel gegeben, der in der Bibel mehrfach als „der Jünger, den Jesus liebte“ auftaucht. Er wird nie namentlich erwähnt, erfüllt aber die Kriterien eines Apostels, so dass man ihn durchaus als 13. Apostel bezeichnen könnte. Dieser 13. Apostel stand Jesus von allen am Nächsten, da er stets als „der Jünger, den Jesus liebte“ auftaucht.

Alles weitere ist Spekulation: Im Roman wird der 13. Apostel Zeuge der Kreuzigung und sieht im Anschluss auf dem Friedhof wie der Leichnam von Jesus von den Essenern gestohlen wird. Mit dem Wissen, dass Jesus nicht Wiederauferstanden ist und somit nicht der Sohn Gottes sein kann, steht er den übrigen Aposteln im Weg, die auf diesem Fakt, das Fundament der Kirche bauen wollen. Der 13. Apostel flieht mit einigen Nazoreern (einer jüdischen Sekte) und schreibt ein eigenes Evangelium, das er in der Wüste versteckt.

Das Geheimnis des dreizehnten Apostels

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Das Geheimnis des 13. Apostels


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Eine Antwort to “Das Geheimnis des 13. Apostels”

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  1. Lieblingsbücher 2011 « awesomatik - 28. Dezember 2011

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