Pompeji – Robert Harris

3 Jul

Pompeji - Robert Harris

awesomatik auf Buchfühlung
Pompeji – Robert Harris

Pompeji, 79 n. Chr. In Misenum fließt plötzlich kein Wasser mehr. Der Wasserbaumeister Attilius wird nach Pompeji gesandt, um die Ursache für den mysteriösen Wassermangel aufzuspüren und zu beseitigen. Dabei kommt er korrupten Machenschaften auf die Spur. Doch seine Nachforschungen werden überschattet von den Vorzeichen einer drohenden Apokalypse.

Wie schon mehrfach erwähnt bin ich kein Fan von klassischen Historienromanen. Ich habe dieses Buch aber in der Bücherkiste eines Freundes auf dem Flohmarkt entdeckt und fand das Thema rund um den Ausbruch des Vesuvs interessant genug, um eine Ausnahme zu machen.

Für mich gibt es zwei Sorten von Historienromanen. Die Schlechten und die Guten. Die schlechten sind meist fleißig recherchiert und mit akribischen Details aus der jeweiligen Epoche versehen. Bei den guten Romanen bildet der historische Hintergrund nur den Rahmen für eine spannende Handlung mit dreidimensionalen Charakteren.

„Pompeji“ gehört leider zur ersteren Kategorie und ist im Grunde genommen ein Sachbuch im Gewand eines Romans. Obwohl die einzelnen Themen wie die römische Lebensart, das Bewässerungssystem der Aqua Augusta oder der Ausbruch des Vesuvs für sich genommen alle faszinierend sind, so wirken sie in der Romanform belanglos und konstruiert.
Man muss erst 100 Seiten lesen, bis die Geschichte in die Gänge kommt. Aber selbst dann bleibt die Handlung rund um die korrupten Machenschaften des ehemaligen Sklaven Ampliatus unspannend und vorhersehbar. Ein zentrales Problem ist außerdem die Eindimensionalität des Hauptprotagonisten Attilius, einem Mann ohne besondere Merkmale oder Eigenschaften, den man als Leser zu keiner Zeit wirklich greifen kann. Somit wirkt auch die Liebesgeschichte unglaubwürdig und leidenschaftslos. Als dann zu guter Letzt der Vesuv ausbricht (sehnsüchtig vom Leser erwartet), wechselt Robert Harris kurzeitig den Protagonisten und rückt den einstigen Feldherren Plinius in den Vordergrund. Dies erscheint Harris möglichweise aus historischer Sicht als sinnvoll. Vom erzählerischen Blickwinkel aus,  ist dieser Perspektivwechsel misslungen. Die ganze Dramatik des Ausbruchs erlebt der Leser mit angezogener Handbremse.

Fazit
Somit scheitert der Roman auf allen Ebenen und funktioniert weder als Krimi, noch als historisches Zeugnis einer Naturkatastrophe. Robert Harris schafft es nicht dem Leser sein Wissen über Pompeji als packenden Roman näherzubringen. Der zähen Handlung hat er auch sprachlich nichts entgegenzusetzen. Dröge plätschert die Geschichte vor sich hin.
Anderen Autoren ist die Rekonstruktion von tragischen Ereignissen weitaus besser gelungen. So hätte eine Chronik des Ausbruchs durchaus unterhaltsam sein können, wenn Harris sie als Sachbuch verfasst hätte. Ähnlich wie z.B. Sebastian Junger (Der Sturm), Jon Krakauer (Into the Wild) oder Mark Bowden (Black Hawk Down, Killing Pablo). Bis auf eine amüsante Passage über eine römische Fressorgie wird von diesem Buch nicht viel bei mir hängen bleiben.

Wertung 2/5

1. Geht gar nicht     2. Is OK     3. Gut    4. Richtig gut     5. awesomatik!

awesomatik Kuriosum
Robert Harris war lange mit Tony Blair befreundet. Sein Schwager ist der  (aus meiner Sicht unterhaltsamere) Autor Nick Hornby.

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2 Antworten to “Pompeji – Robert Harris”

  1. laura 16. Mai 2013 um 10:33 #

    Die Gegenüberstellung deiner zwei Sorten von historischen Romanen gefällt mir ^^ Ich denke, das trifft es ganz gut. Wobei ich schon wichtig finde, dass ein Roman,wenn er schon historisch sein will, auch gut recherchiert ist! Das allein reicht aber eben nicht aus.
    Auch bei „Imperium“ scheinen mir die Figuren wie aus Papier ausgeschnitten, so schematisch stellt Harris den reichen Crassus oder den ehrgeizigen Cicero dar… Schade!

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  1. Lieblingsbücher 2011 « awesomatik - 28. Dezember 2011

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