Forever young

17 Jul

The picture of Dorian Gray

awesomatik auf Buchfühlung
The picture of Dorian Gray – Oscar Wilde

Als der überdurchschnittlich schöne Dorian Gray eines Tages sein eigenes Portrait zu Gesicht bekommt, wünscht er sich seine Jugend auf ewig zu behalten. Er würde seine Seele vergeben, wenn statt seiner selbst das Ölgemälde altern würde.
Während fortan seine Schönheit unangetastet bleibt, beginnt das Portrait die Spuren seines wilden Lebensstils zu reflektieren.

Man kann nicht nur Schund und Groschenromane lesen. Nach dem mediokren „Pompeji“ von Robert Harris, musste dieses Mal ein Klassiker her. Zu schwergängig sollte es aber auch wieder nicht sein. Letzeres Buch war spannungslos genug. Gerade bei Klassikern ist in dieser Hinsicht natürlich Vorsicht geboten. Selten liest man auf vergilbten Buchrücken von Literaturklassikern  Stichworte wie „unputdownable“, „highly entertaining“ oder „hilarious“.

Die Dandy Novelle um den Schönling Dorian Gray schien mir den Spagat zwischen Anspruch und Lesbarkeit da noch am ehesten meistern zu können.

 

Wer hätte das gedacht. Die ersten zehn Kapitel haben meine Erwartungen in Punkto Erzählfluss sogar noch übertroffen. Insbesondere Gray‘s Freund Lord Henry Wotton (für mich der Protagonist der Herzen)sorgt mit seinem stets charmantem Auftreten für Heiterkeit und Schwung.

Unter seinen geistreichen Bonmots gleiten dem Leser die dialoglastigen Seiten der ersten Kapitel nur so durch die Finger. Wo Dorian Gray mit Einfallslosigkeit droht ist Lord Henry stets mit spitzer Zunge und gespielter Langeweile zur Stelle.

So wird der naive Dorian zum Zögling seiner maliziösen Dandy-Lehre. Dem sündhaften Treiben versucht der grundanständige Maler Basil Hallward entgegenzuwirken. Dabei bewegt sich das Dandy-Triumvirat streckenweise in einem homoerotischer Nebel (auch wenn sexuelle Neigungen nie explizit erwähnt werden)

Schönheit und Verstand gehen selten Hand in Hand

 Ab Kapitel elf beginnt die Geschichte leider zu stocken und der perfekte Auftakt verfährt sich in Belanglosigkeiten. Die Handlung der diversen Hauptpersonen ist nur bedingt nachvollziehbar, der Scharfsinn von Lord Henry lässt nach und der anfängliche Elan stagniert.

Trotz beständiger Jugend fordert Dorian Gray‘s sündhafter Lebensstil immer mehr seinen Tribut in Form von Wahnvorstellungen und Paranoia. So steuert alles unweigerlich auf ein mehr als vorhersehbares fatales Finale für den ewigen Adonis zu.

Fazit
Der Sinn der Geschichte ist mir schlussendlich nicht ganz klar geworden. Wilde hatte aus meiner Sicht bei der Charakterentwicklung des schlagfertigen und verruchten Lord Henry Wotton’s am meisten Freude gehabt, so dass das moralische Ende nicht so ganz stimmig erscheint.

Trotz der genannten Defizite zählt der Roman zu den unterhaltsameren Literaturklassikern, der in seinen 120 Jahren ähnlich wie sein Protagonist nicht an Frische eingebüßt hat. Intelligent, fesselnd und toll geschrieben. Sollte man lesen!

Wertung 3/5

1. Geht gar nicht     2. Is OK     3. Gut    4. Richtig gut     5. awesomatik!

awesomatik Kuriosum
Aufgrund seiner Homosexualität musste Oscar Wilde wegen „Unzucht“ zwei Jahre ins Zuchthaus.

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3 Antworten to “Forever young”

  1. myimpressions4u 22. Dezember 2013 um 16:25 #

    Sehr schön geschrieben! Hätte ich das Buch nicht erst vor kurzem gelesen, hätte ich jetzt nach deinem Beitrag bestimmt Lust es zu lesen ;)
    Den Film habe ich mir vorgestern angeschaut, bin mir aber noch nicht ganz sicher was ich davon halten soll.. Es stimmt teilweise nicht so ganz mit dem Buch überein, aber das ist ja meistens so bei Verfilmungen.

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    • Ken Takel 24. Dezember 2013 um 09:55 #

      Danke! Auf jeden Fall ein lesbarer Klassiker. Habe bisher noch keine der Verfilmungen gesehen. Vielleicht hol ich das noch nach.

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