Vertigo vs. Icon

6 Mrz

Vertigo und Icon sind DC’s und Marvel’s Vetriebe für Comics mit erwachsener Zielgruppe. Aber wer hat die besten graphic novels im Stall? Um das herauszubekommen, habe ich mir die folgenden Werke angeschaut.

Für Icon ins Rennen geht:
awesomatik auf Buchfühlung
Criminal – The Deluxe Edition – Ed Brubaker / Sean Phillips

Dieses edle Hardcover sammelt drei Erzählungen aus der mit dem Eisner Award ausgezeichneten noir-Serie Criminal.
In der ersten Geschichte Coward wird der Meisterdieb Leo von korrupten Cops gezwungen einen Überfall auf einen Banktransporter durchzuführen. Die Sache geht natürlich nach hinten los und führt Leo auf einen blutigen Pfad der Rache.
Die zweite Geschichte Lawless dreht sich um den Golfkriegsveteran Tracy Lawless. Auf der Suche nach dem Mörder seines Bruders infiltriert er dessen ehemalige Ganovencrew.
Die dritte Geschichte The dead and the dying ist in drei Episoden geteilt. Jake der Boxer ist mit dem Sohn eines Drogenbarons befreundet bis eine femme fatal einen Keil zwischen die beiden Männer treibt.
Die drei Teile sind eigenständige Erzählungen, die aber über Personen und Handlungen lose miteinander verbunden sind.

Fazit
Brubakers erfindet mit Criminal das Rad nicht neu. Ähnliche Geschichten findet man in vielen Noirkrimis oder Mafia-Filmen. Neu ist hier eigentlich nur das Medium. Die düstere Kolorierung sorgt für authentischen noir flair. Im standard comicraster lässt Brubaker seine wortkargen Kriminellen in rauchigen Bars und schmutzigen Gassen aufeinander los.
Für meinen Geschmack etwas zu klassisch. Die Geschichten hat man so oder so ähnlich schon gehört oder gesehen und auch der Zeichenstil hat mich nicht vom Hocker geschossen (wo das Cover doch so genial ist!). Obwohl man insgesamt nicht meckern kann, hätte etwas mehr Experimentierfreude bei der grafischen Umsetzung sicher nicht geschadet.  Was bleibt ist ein bleihaltiges Lesevergnügen für Genrefans.

Wertung 3/5 Patronenkugeln

1. Geht gar nicht     2. Is OK     3. Gut    4. Richtig gut     5. awesomatik!

Für Vertigo ins Rennen gehen:

Y – The Last Man – Brian K. Vaughan, Pia Guerra (Deluxe Edition Book 1 + 2)

Im Jahr 2002, stirbt plötzlich jeder Mann, jeder Junge und jedes Lebewesen mit einem Y-Chromosom. Mit dem Verlust der halben Weltbevölkerung droht die Menschheit zu kollabieren. Es liegt nun an den verbliebenen Frauen die Zivilisation vor dem Kollaps zu bewahren.
Doch aus unbekannten Gründen hat ein Mann den „Genderzid“ überlebt. Und so wird der anonyme Mittzwanziger Yorick Brown über Nacht zur wichtigsten Person auf dem Planeten. Auf ihm ruht die Hoffnung das Rätsel der Geschlechterplage zu entschlüsseln. Doch Yorick hat nur eins im Sinn: seine Freundin zu finden, die sich irgendwo im 10 000 Meilen entfernten Australien aufhält.

Das tolle an dieser Ausgangslage ist, dass sich die Geschichte in jede Richtung weiterentwickeln kann. Das macht es schon von vornherein spannend. Auch die Zeichnungen sind ansprechend und erstklassig koloriert. Der Protagonist ist recht sympathisch, auch wenn er mir etwas zu oft popkulturelle Referenzen vom Stapel lässt. Überhaupt ist die Stimmung trotz Endzeitszenario recht lustig. Das ist zwar unterhaltsam, nimmt aber dem dramatischen Thema teilweise die nötige Ernsthaftigkeit. Nie wähnt man die Protagonisten wirklich in Gefahr.  Außerdem verhält sich Yorick nicht immer schlüssig (ich hätte z.B. die ganzen Beischlafangebote nicht abgelehnt).

Fazit
Was gibt es schöneres, als der letzte männliche Mensch auf Erden zu sein? Eine phantastische Hypothese, die hier mit leichten Schwächen durchgespielt wird. Unterhaltsame Lektüre, die einen über die kleinen erzählerischen Defizite hinwegsehen lässt. Noch habe ich erst zwei von fünf Teilen gelesen. Die restlichen drei werde ich auf jeden Fall nachholen. Ich habe nämlich gelesen, dass das Finale nicht enttäuscht.

Wertung 3,5/5 Y-Chromosomen

1. Geht gar nicht     2. Is OK     3. Gut    4. Richtig gut     5. awesomatik!

FablesThe Deluxe Edition – Bill Willingham (Vol. 1 + 2)

Stellt euch vor alle Charaktere aus unseren liebsten Kinderbüchern leben in einer geheimen Gemeinschaft in New York City. Nachdem sie von einem grausamen Gegner aus der Fabelwelt fliehen mussten, sind sie vor ein paar hundert Jahren ins Exil in unsere mondäne Welt geflohen. Seitdem leben sie in einer Fabelwesengemeinschaft unter uns. Die Charaktere mit Menschengestalt wie Schneewittchen, Pinocchio, Dornröschen etc. wohnen in der Stadt während die anderen Kreaturen und Tiere wie die drei Schweine, Däumelinchen, Drachen und Riesen auf einer Farm außerhalb der Stadt wohnen.

Obwohl sich die Fabelwesen auf eine Generalamnestie geeinigt haben, gibt es dennoch immer wieder Probleme in der Gemeinschaft. So ermittelt gleich zu Beginn der Wolf (Sheriff von Fabletown) in dem Mord an Rosenrot. Verdächtige sind König Blaubart und Hans (aus Hans und die Bohnenranke).

Eine ziemlich abgefahrene Idee also, die erstaunlich gut funktioniert. Vor allem weil man die meisten Charaktere und deren Hintergrundgeschichten kennt und sie nun aus einer anderen Perspektive neu entdecken kann. Die Wendungen, die die Geschichte nehmen kann sind unbegrenzt. Einige Episoden spielen in der Vergangenheit (z.B. im Sezessionskrieg) andere in der Heimat der Fabelwesen. Mal steht der Wolf im Mittelpunkt, dann wieder Schneewittchen. Nicht umsonst gibt es mittlerweile über hundert Teile sowie diverse Spin-offs.

Fazit
Elegant gezeichnet und in knalligen Farben verabreicht, liefert Bill Willingham märchenhafte Unterhaltung. Leider sind die so genannten Deluxe Editionen sehr dünn ausgefallen, um möglichst viel Kohle zu generieren. Trotzdem sind die Geschichten viel zu gut, um nicht dabei zu bleiben.

Wertung 4/5  Zauberbohnen

1. Geht gar nicht     2. Is OK     3. Gut    4. Richtig gut     5. awesomatik!

Die Entscheidung: Vertigo vs. Icon
Criminal hat zwar die schönste und dickste Deluxe Edition, musste aber im Bereich Innovation und grafischer Umsetzung Punkte lassen.
Y-The last Man liefert eine solide Deluxe Edition und eine wilde Story mit kleinen Schwächen ab.
Fables überzeugt trotz mickriger Ausstattung, mit einer fantastischen Grundidee und wunderschönen Zeichnungen.

Vertigo  gibt es schon deutlich länger als Icon. Somit haben sie mehr Titel (u.a. Hits wie „The Swamp Thing„, „Sweet Tooth„,“American Vampire„)  und mehr Erfahrung und konnten mich auch inhaltlich überzeugen. Eine klare Sache also.

And the Winner is:


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Criminal: The Deluxe Edition

Y The Last Man Deluxe Edition Book One
Fables: The Deluxe Edition Book One

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Eine Antwort to “Vertigo vs. Icon”

Trackbacks/Pingbacks

  1. awesomatik Books 2012 « awesomatik - 29. Dezember 2012

    […] 10. Criminal – Ed Brubaker, Sean Phillips Wunderschönes Cover. Geschichte und Zeichnungen etwas zu klassisch.  […]

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