Die Beschissenheit der Dinge

2 Aug

awesomatik auf Buchfühlung
Die Beschissenheit der Dinge – Dimitri Verhulst

Dimitri wächst bei seiner Großmutter in dem flämischen Dorf Reetveerdegem auf, zusammen mit seinem Vater und drei Onkeln. Die  Familie Verhulst ist im Dorf für ihre legendäre Trinkfestigkeit bekannt. Sozialamt, Kneipe, Küche und Klo sind die Eckpfeiler ihres Daseins, und sie sind stolz darauf. Doch das Schicksal scheint für Dimitri andere Pläne zu haben…

Der Roman hält definitiv, was der (großartige) Titel verspricht. Viel beschissener kann man sich eine Jugend nicht vorstellen. Sehr plastisch beschreibt Verhulst die ganze Abartigkeit seines Heranwachsens. Das Leben in einer Bruchbude mit Plumpsklo zwischen stinkenden Messis mit Hang zu exzessivem Alkoholkonsum. Arbeitslose Randexistenzen, deren Interesse sich auf Radsport (gucken), Saufspiele und die Verehrung von Roy Orbison beschränkt.


Doch der Außenseiterstatus führt auch dazu, dass die Familienbande wie Pech und Schwefel zusammenhält. Ob Drogenentzug oder Barschlägerei, stolz stehen sie in schweren Zeiten zusammen. Nie werden die peinlichen Anekdoten auf Kosten seiner Sippschaft erzählt. Und so findet Dimitri hinter all dem Schmutz und den unappetitlichen Details auch fast so etwas wie Liebe und Geborgenheit.
Um dem Leser die ganze Misere seiner jämmerlichen Kleinstadtexistenz erträglich zu machen, greift Verhulst auf reichlich schwarzen Humor zurück.
So kann man sich aus sicherer Entfernung wohlig ekeln, die Augen verdrehen und laut losprusten!
In der zweiten Hälfte gibt es einen kleinen Zeitsprung, der etwas hastig wirkt. Man bekommt nur am Rande mit, dass Dimitri vom Jugendamt aus der Familie genommen wird. Gerne hätte ich mehr darüber erfahren. Stattdessen geht die Geschichte mit etwas ernsteren Tönen  im Erwachsenenalter weiter.

Fazit
Mehrfach musste ich beim Lesen an Fleisch ist mein Gemüse von Heinz Strunk denken (Lest meine review dazu hier). Beide Autoren bewegen sich inhaltlich auf ähnlichem Terrain und pflegen einen vergleichbar schwarzhumorigen, schonungslosen Erzählstil. 
Die Sache ist klar wie Klarsichtfolie: Lest und verschenkt dieses Buch.

Unterhaltsamer und kurzweiliger geht es kaum. Die Beschissenheit der Dinge ist wie ein Saufgelage mit Freunden. Eine riesige Party, an die einen der Kater auch am nächsten Tag noch erinnert.

Wertung 4/5

1. Geht gar nicht     2. Is OK     3. Gut    4. Richtig gut    5. awesomatik!

awesomatik Kuriosum
Hier noch der Trailer zur Romanverfilmung von Felix Van der Groeningen. Ich habe den Film nicht gesehen und kann mir eine authentische Adaptation auch nur schwer vorstellen. Aber auf rottentomatoes kommt er immerhin auf 78%.


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Die Beschissenheit der Dinge: Roman

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5 Antworten to “Die Beschissenheit der Dinge”

  1. ullli23 3. Februar 2013 um 15:39 #

    Falls Du es nicht eh schon kennst: Lies „Dorfpunks“ (Rocko Schamoni)! Meiner Meinung nach ein ganzes Stück besser noch als das Heinzer-Werk.

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    • Ken Takel 4. Februar 2013 um 09:50 #

      Ich kenne es, habs aber noch nicht gelesen. Werde ich mir vormerken. Danke!

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Trackbacks/Pingbacks

  1. Fernweh 3.0 « awesomatik - 23. August 2012

    […] name of the wind (Rothfuss), Mein Herz so weiß (Marías), Die Beschissenheit der Dinge (Verhulst), The memoirs of Sherlock Holmes (Conan […]

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  2. awesomatik Books 2012 « awesomatik - 29. Dezember 2012

    […] 3. Die Beschissenheit der Dinge – Dimitri Verhulst Toller Titel, unfassbar komisch. Lesen! […]

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  3. Deutschboden – Eine teilnehmende Beobachtung | awesomatik - 22. Februar 2013

    […] Kleinstadt-Epen wie “Fleisch ist mein Gemüse” von Heinz Strunk oder “Die Beschissenheit der Dinge” von Dimitri Verhulst. Nur, dass der Autor hier nicht selbst aus dem Milieu stammt, sondern […]

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