Fahrenheit 451

23 Okt

awesomatik auf Buchfühlung
Fahrenheit 451 – Ray Bradbury

Meine Mutter hatte früher ein Spielzeugladen, in dem sie auch französische Bücher verkauft hat. Dort habe ich als Teenie die Mars-Chroniken von Ray Bradbury entdeckt und begeistert verschlungen (in der französischen Übersetzung). Von dem Autor hatte ich vorher noch nie etwas gehört.
Mittlerweile ist mir sein Status voll bewusst. Im Sommer dieses Jahres ist Ray Bradbury leider von uns gegangen. Um ihm zu gedenken, habe ich mir jetzt seinen Klassiker Fahrenheit 451 vorgenommen:

Fahrenheit
451 spielt in einer dystopischen Zukunft, in der die Bücher verboten sind und Menschen vor ihren Unterhaltungsmedien verblöden. In dieser Welt arbeitet Guy Montag als Fireman. Diese werden in Zeiten von feuerfesten Häusern nicht mehr zum Löschen sondern zum entzünden von Häusern eingesetzt. Besteht der Verdacht, dass ein Bürger Bücher besitzt oder versteckt, rückt Montag mit seinen Kollegen aus um die Schriftstücke samt Besitzern einzuäschern.

Aber die Synopsis dürfte dank Klassikerstatus hinlänglich bekannt sein. Das erste Drittel liest sich auch gut an. Hier trifft Montag auf das unangepasste Mädchen Clarisse, die die Dinge hinterfragt und ihm von einer Vergangenheit berichtet, in der die Menschen nicht in Angst gelebt haben.
Der Rest ist vorhersehbar. Montag wacht aus dem systemisch induzierten Alptraum aus, beginnt sich  Gedanken zu machen, mutiert zum Dissidenten und riskiert im Kampf für Meinungsfreiheit sein Leben.

So. Ich will auch nicht lange um den heißen Brei schreiben. Bradburys Roman hat sicherlich eine wichtige und nach wie vor aktuelle Botschaft aber darüber hinaus konnte ich seinem Werk nicht viel abgewinnen.

Dazu ist es mir viel zu plakativ. Eine Mahnschrift, ein politisches Statement, ein Aufschrei gegen Zensur. Ja, Ja und Ja. Und wie könnte man auch nicht mit der Kritik einverstanden sein. Vieles ist auch 50 Jahre später noch aktuell. Aber als Roman funktioniert es nur bedingt.

Montag, der sein Leben lang als exekutives Kontrollorgan des totalitären Systems gearbeitet hat, wird über Nacht zum Staatsfeind Nummer eins. Doch seine innere Wandlung bleibt dem Leser verborgen. Kein Konflikt der Ideologien, kein Zögern. Stattdessen gibt es eine Verfolgungsjagd mit Roboterhund.

Ich will gar nicht so hart mit dem Roman ins Gericht gehen, weil ich die Beweggründe des Autors gut nachvollziehen kann. Ich finde es halt immer problematisch, wenn die Botschaft eines Romans über die Handlung gestellt wird. Diese Balance ist Bradbury in Die Mars-Chroniken deutlich besser gelungen!

Dafür, dass er Fahrenheit 451 in einer schweren Phase seines Lebens unter Zeitdruck in neun Tagen runter geschrieben hat, kann man aber nur den Hut ziehen.

Fazit
Ein wichtiges Werk, das trotz aktueller Botschaft, etwas plakativ und leicht angestaubt daher kommt. Heutzutage darf es in der literarischen Dystopie ruhig etwas subtiler zugehen. Die 180 Seiten sind aber schnell gelesen, so dass sich doch jeder selbst ein Urteil bilden soll. Ich will ganz im Sinne des Autors, die Leute NICHT vom Lesen abhalten.

Man darf den technologischen Fortschritt aber auch nicht nur als Bedrohung begreifen. Stattdessen sollte man es wie Groucho Marx halten, der behauptet: „Fernsehen bildet. Immer wenn der Fernseher an ist, gehe ich in ein anderes Zimmer und lese“!

Wertung 2/5

1. Geht gar nicht     2. Is OK     3. Gut    4. Richtig gut    5. awesomatik!

awesomatik Kuriosum
Das 451 Fahrenheit, die Temperatur ist, bei der Bücher in Flammen aufgehen, steht schon auf dem Cover.
Einen interessanteren Fakt hat Bradbury selbst erst Jahre später realisiert. Und zwar, dass er seinen Protagonisten Montag unbewusst nach einer gleichnamigen Papiermanufaktur benannt hat und den rebellischen Professor Faber nach der gleichnamigen Stiftmarke! Zu was das Unterbewusstsein so fähig ist. 

Und verfilmt wurde der Klassiker natürlich auch schon. Und zwar von keinem geringeren als François Truffaut.

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Fahrenheit 451

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5 Antworten to “Fahrenheit 451”

  1. Jai 25. Oktober 2012 um 11:37 #

    Ich lese das Buch auch gerade und mir wird Montags Wandlung ebenfalls zu wenig beschrieben. Und dadurch, dass er sich fast von einem auf den anderen Tag umwandelt, wirkt das ganze schon etwas fragwürdig. Wären da nicht die versteckten Bücher im Lüftungsschacht. wäre es für mich komplett unglaubwürdig, aber so wird wenigstens deutlich, dass er sich auch früher – wenn auch unterbewusst – schonmal mit Büchern und der Rebellion gegen das System befasst haben muss. Ich habe noch 50 Seiten vor mir und bin mal gespannt, was mich noch erwartet.

    Lg
    Jai

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Trackbacks/Pingbacks

  1. awesomatik Books 2012 « awesomatik - 29. Dezember 2012

    […] Fahrenheit 451 – Ray Bradbury Gut gemeinter Klassiker. Aus heutiger Sicht etwas plakativ und […]

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  2. Die Scanner | awesomatik - 13. März 2013

    […] bekommen. Ich habe logischerweise mit dem Roman, die gleichen Probleme, die ich auch mit Fahrenheit 451 hatte. Nämlich, dass hier die Message wichtiger ist als die Geschichte. Kaum ein Absatz in dem […]

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  3. Die Früchte des Zorns | awesomatik - 19. März 2014

    […] Message in anderen Romanen oft zu Lasten von Charaktertiefe und Handlung auswirkt (siehe Fahrenheit 451) funktioniert “Die Früchte des Zorns”, weil Steinbeck seine Protagonisten ernst nimmt […]

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