Frühstück bei Tiffany

8 Nov

awesomatik auf Buchfühlung
Frühstück bei Tiffany (Ein Kurzroman und drei Erzählungen) – Truman Capote

Holly Golightly genießt das Leben und bringt die New Yorker Männerwelt mit ihrer unschuldig – verruchten Art um den Verstand. Auch ihr Nachbar (der Erzähler) ist ihrem Charme hilflos erlegen. Doch nach und nach bemerkt er, dass sich hinter der glamourösen Fassade, dramatische Abgründe auftun. 

Tja, wenn man wie ich den Film schon gesehen hat, wird man es schwer haben, sich eine unverfälschte Meinung der Vorlage zu bilden.

Audrey Hepburn hat mit ihrer Verkörperung der Holly Golightly Filmgeschichte geschrieben. Mit ihren langwimprigen Klimperaugen, der Perlenkette und dem überlangen Zigarettenfilter ist zur zeitlosen Stilikone geworden.

So schiebt sie sich auch unweigerlich vor das innere Auge des Lesers. Was, ja eigentlich nicht schlimm ist.
Denn Holly Golightly ist das eigentliche Ereignis in „Frühstück bei Tiffany“. Mit einem Glas Champagner in der Hand und einer süßen Melodie im Ohr, begleitet man sie durch die Straßen von Manhattan, verliebt sich in ihre eigentümliche Art und übersieht dabei fast, dass die eigentliche Geschichte wenig zu bieten hat.
Vieles wird nur angedeutet und so ist der Kurzroman auch schon vorbei bevor er so richtig angefangen hat. Man merkt schnell, dass sich hinter Hollys gespielter Leichtigkeit, ein tieftrauriger Mensch verbirgt.  Mal ist sie die verträumte Romantikerin, geht dann aber mit unattraktiven Männern ins Bett, sofern sich daraus ein finanzieller Vorteil ergibt. Sie flüchtet sich in die glamouröse Welt der Reichen und Schönen, um das Trauma ihrer elternlosen Kindheit und die Trennung von ihrem geliebten Bruder zu verdrängen. Doch auch ihre zahlreichen Liebhaber und Verehrer, können sie nicht ihre Einsamkeit vergessen lassen. Wurzellos wie ihr namenloser Kater verschwindet sie in eine ungewisse Zukunft und überlässt den Erzähler und die Leser melancholisch-verkatert ihrem eigenen Schicksal.

Fazit
Mir hat der Film, trotz Schwächen (wie der rassistischen Darstellung des Mr. Yonioshi, der flachen Story und dem verfälschten Happy End), deutlich besser gefallen. Die stilprägende Darstellung der Holly Golightly durch Audrey Hepburn, gepaart mit dem grandiosen, zuckerwattig süß-melancholischen Soundtrack von Henri Mancini machen die Adaptation zu einem zeitlosen Juwel der Filmgeschichte (um mal beim Thema Tiffany zu bleiben).
Den Roman hätte ich wohl, schon allein aufgrund seiner Kürze, demnächst wieder vergessen. Wer also ein wirklich beeindruckendes Werk von Capote lesen möchte, der sollte es mal mit In Cold Blood versuchen.

Wertung 2,7/5

1. Geht gar nicht     2. Is OK     3. Gut    4. Richtig gut    5. awesomatik!

awesomatik Kuriosum
In der  rororo Taschenbuchausgabe gibt es außerdem noch drei zusätzliche, melancholische Erzählungen (Das Blumenhaus, Die Diamanten-Gitarre und Eine Weihnachts-Erinnerung), die mir fast noch besser gefallen haben als der Kurzroman.

Hier noch die Ladendiebstahl-Szene aus dem Film:

Und ein paar sanfte Töne aus dem Soundtrack:


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Frühstück bei Tiffany: Ein Kurzroman und drei Erzählungen

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Eine Antwort to “Frühstück bei Tiffany”

Trackbacks/Pingbacks

  1. awesomatik Books 2012 « awesomatik - 29. Dezember 2012

    […] Frühstück bei Tiffany – Truman Capote Nicht besser als der […]

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