Die Früchte des Zorns

19 Mrz

fruechte_des_zorns-9783423104746awesomatik auf Buchfühlung 
Die Früchte des Zorns – John Steinbeck

Ich habe eigentlich schon immer gerne gelesen, mein Taschengeld als Kind für Bücher ausgegeben und ganze Nachmittage in Buchhandlungen verbracht.

Dabei hat die Schule alles dafür getan einen davon abzuhalten. Für viele Klassiker hatte man nicht die nötige Reife oder sie waren tatsächlich langweilig oder schlecht vom Lehrer aufbereitet. So mutierte die feine Literatur zur reinen Qual und Plichtlektüre. 

Zum Glück gab es hier und da mal einen Lichtblick. Dazu zählten für mich „Die Schachnovelle“ von Stefan Zweig, „Die Physiker“ von Friedrich Dürrenmatt, „Homo Faber“ von Max Frisch und „Von Mäusen und Menschen“ von John Steinbeck.

Letzteres hatten wir im Englischunterricht behandelt. Ich war davon so begeistert, dass ich mir auch andere Steinbeck Romane anschaffte.
Während ich „Wonniger Donnerstag“, „König Artus“ und „Die Straße der Ölsardinen“ in einem Schwung weglas, wartete ein Roman zwölf Jahre geduldig im Regal, dass sein Besitzer die erforderliche geistige Reife entwickelte, um ihn angemessen würdigen zu können.

Und letztens war es dann soweit. Ehrfürchtig zog ich das weinrote Buch aus dem Regal –  den sozialkritischen Roman, mit dem Steinbeck seinen Ruhm begründete und für den er 1940 den Pulitzer Preis erhielt.

„Die Früchte des Zorns“ waren reif für die Ernte….

Darum geht’s:
In den 1930er Jahren machen Dürre und die Industrialisierung der Landwirtschaft der armen Farmerfamilie Joad schwer zu schaffen.
Per Zwangsvollstreckung werden sie von der Bank aus ihrer Heimat Oklahoma vertrieben und ziehen mit tausenden anderen Familien auf der Suche nach Arbeit und einer Zukunft auf der Route 66 nach Westen. Doch der Traum vom gelobten Land Kalifornien entwickelt sich bald zum Alptraum.

Ab der ersten Seite taucht man ein in den naturalistisch romantischen Stil Steinbecks. Wie gewohnt begegnet er seinen Protagonisten aus der Arbeiterklasse mit viel Liebe und Sympathie auch wenn sie noch so fehlbar sind.
Diese blumige und leicht idealistische Portraitierung wurde ihm aus konservativen Kreisen oft vorgeworfen.

Das Schicksal der Joad-Familie stellt Steinbeck nach jedem Kapitel in einen gesamtgesellschaftlichen Zusammenhang und schrieb damit ein politisches Buch, das starke Reaktionen bis hin zur Bücherverbrennung hervorrief. 

Doch während sich die politische Message in anderen Romanen oft zu Lasten von Charaktertiefe und Handlung auswirkt (siehe Fahrenheit 451) funktioniert „Die Früchte des Zorns“, weil Steinbeck seine Protagonisten ernst nimmt und eine mitreißende Geschichte zu erzählen hat.
Der Leser fiebert und leidet mit den Joads und muss hilflos mitansehen wie die Familie auf ihrer Odyssee in den Westen langsam auseinanderbricht.

Fazit – Pflichtlektüre (aber von der guten Sorte!)
Auch 75 Jahre nach seinem Erscheinen ist „Die Früchte des Zorns“ aktueller denn je. Wirtschaftskrisen, Bankenskandale und die Kluft zwischen arm und reich gehören leider nicht der Vergangenheit an.
Und die Landarbeiter Oklahomas ließen sich ohne weiteres durch die Flüchtlinge vor Lampedusa ersetzen.
Ein großer Roman und gleichzeitig lesbarer Klassiker mit liebevollen Charakteren und hochdramatischer Handlung. Ein Manifest für mehr Gerechtigkeit, Würde und Menschlichkeit. Ein Funken im Pulverfass.
Lasst euch von Steinbeck anstacheln und die Früchte des Zorns in euch heranreifen. Lest diesen explosiven Roman und empört euch!

Wertung 5/5

1. Geht gar nicht     2. Is OK     3. Gut    4. Richtig gut     5. awesomatik!

awesomatik Kuriosum
Bruce Springsteen hat dem Roman den Song The Ghost of Tom Joad gewidmet, indem er auch Stellen aus dem Buch zitiert.
Später wurde das Lied von Rage Against The Machine gecovert.

Hier ein emotionaler gemeinsamer Auftritt mit coolem Gitarrensolo:

Now Tom said „Mom, wherever there’s a cop beatin‘ a guy
Wherever a hungry newborn baby cries
Where there’s a fight ‚gainst the blood and hatred in the air
Look for me Mom I’ll be there
Wherever there’s somebody fightin‘ for a place to stand
Or decent job or a helpin‘ hand
Wherever somebody’s strugglin‘ to be free
Look in their eyes Mom you’ll see me“. Und mich auch!

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Früchte des Zorns (deutsch)
The Grapes of Wrath (Steinbeck „Essentials“) (englisch – Kindle Version)
The Grapes of Wrath (englisch)

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8 Antworten to “Die Früchte des Zorns”

  1. Lichtgewimmel 19. März 2014 um 15:08 #

    Sehr gutes Buch! Es ist schon so lange her, daß ich’s verschlungen habe, daß ich es eigentlich mal wieder vorkramen müsste. Auch manchmal eine interessante Erfahrung – der Zugang zu einem Buch kann sich durchaus verändern über die Jahre…

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    • Ken Takel 21. März 2014 um 12:26 #

      Auf jeden Fall. Hab kurz mit dem Gedanken gespielt „König Artus“ von Steinbeck noch mal zu lesen. Aber es gibt noch so viele andere Autoren, die man nicht kennt… :-)

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  2. Nummer Neun 20. März 2014 um 19:58 #

    Klingt gut! Hatte auch schon Von Mäusen und Menschen gelesen.

    Was du in der Einleitung schreibst, sehe ich auch so. Als Jugendlicher ist man für viele Klassiker einfach noch nicht reif genug, mit dem Ergebnis, dass man sich später auch oft nicht mehr an richtige Klassiker ran traut.

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    • Ken Takel 21. März 2014 um 12:23 #

      Auf jeden Fall. Ich musste zum Beispiel damals „Faust“ und „Berlin Alexanderplatz“ lesen. Das war für mich der reinste Horror. Ich konnte absolut nichts damit anfangen.
      Jetzt wäre es vielleicht anders aber durch meine negative Erfahrung habe ich gar keine Lust mehr darauf.

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  3. Michael 21. März 2014 um 10:18 #

    Schönes Cover. Großartiges Moviestill aus der sehenswerten Verfilmung.

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    • Ken Takel 21. März 2014 um 12:20 #

      Finde ich auch. Mein Buch hatte eigentlich ein anderes Cover:
      http://bit.ly/1lVT6W9
      Das finde ich auch sehr schön aber das Bild war zu klein. Den Film habe ich (noch) nicht gesehen.

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  1. Wie belesen bist du? | awesomatik - 21. März 2014

    […] jährliche Literatur-Diät immer ein paar Klassiker zu integrieren (und habe deswegen gerade stolz Die Früchte des Zorns anklicken können) aber nur, wenn ich das Gefühl habe, sie könnten mich auch interessieren. Ein […]

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  2. awesomatik Books 2014 | awesomatik - 31. Dezember 2014

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