Erbarmen – Jussi Adler Olsen

26 Mrz

7d72d84f-c2a2-4743-9cc9-0775b8dc5909awesomatik auf Buchfühlung 
Erbarmen – Jussi Adler Olsen

Es ist heutzutage kaum möglich eine größere Buchhandlung zu betreten ohne im Eingangsbereich über eine gestapelte Skyline aus Jussi Adler Olsen Büchern zu stolpern. Die Krimi-Türstopper verkaufen sich wie Bier auf dem Schützenfest. 

Dass hat sicherlich auch damit zu tun, dass die Marketing-Abteilung die Romane  „Erbarmen“, „Schändung“, „Erlösung“ usw. betitelt hat, um möglichst viel Kapital aus dem Stieg Larsson Hype zu schlagen. Aber da falle ich doch nicht drauf rein.

Tja,  scheinbar bin auch ich für Werbung anfällig (Obwohl ich „Verblendung“ nicht übermäßig geil fand). Und für zwei Taler im Krimi-Antiquariat, kann man mal einen Blick riskieren. 

Am 2. März 2002 verschwindet eine Frau spurlos auf der Fähre von Rødby nach Puttgarden, man vermutet Tod durch Ertrinken. Doch sie ist nicht tot, sondern wird in einem Gefängnis aus Beton gefangen gehalten.

Der erste Fall für Carl Mørck (vom Ørck?). Der ungeliebte aber talentierte Vize-Kriminalkommissar wird in das neu gegründete Sonderdezernat Q wegbefördert, in dem er alte, ungeklärte Fälle neu aufrollen soll. 

So beginnt ein unterhaltsamer, wenn auch geradliniger Krimi. Hier wird das Rad nicht neu erfunden. 
Ein desillusionierter, geschiedener, rauchender, fluchender Komissar. Ein komischer Sidekick. Ein weibliches Opfer. Ein psychopathischer Kontrahent. Fertig ist der Bestseller. 

Auch sprachlich wird nicht experimentiert. Die Geschichte wird ohne Schnick Schnack und stilistische Besonderheiten vorangetrieben.
Leider werden Leser, die eine Handvoll grauer Zellen zwischen den Ohren haben, den Täter schon im ersten Drittel des Buches ausgemacht haben. Viele Optionen gibt es nämlich nicht. 

Das ist etwas bedauerlich, tut aber der Spannung keinen Abbruch. Adler Olsen wechselt ständig die Perspektive zwischen der Gefangenen und den Ermittlern und sorgt damit für reichlich Tempo. Wie geföhnt rauschen die Seiten an einem vorbei. 

Doch ein paar Kritikpunkte kann man ihm vorhalten. Ironischerweise ist die stärkste Frauenfigur im Buch das Opfer. Alle anderen weiblichen Personen werden auf ihre sexuelle Attraktivität reduziert oder sind nervtötend (allerdings sind die Männer auch nicht gerade sympathisch). 

Mørcks Sidekick, der mysteriöse Syrer Assad, ist zwar eine der unterhaltsameren Figuren, wirkt aber zu keiner Zeit wirklich authentisch. 

Und wie immer bei Krimis stellt sich nach Abschluss der Ermittlungen Ernüchterung ein. Das soll es nun gewesen sein? Vor allem, wenn der Showdown so vorhersehbar ist wie hier.
Aber das ist halt so in einem Genre, bei dem die Handlung im Mittelpunkt steht. Nachdem die Spannungs-Sucht kurzzeitig gestillt wurde, klappt man den Buchdeckel zu und ist wieder auf Entzug. 

Fazit – Guter Zeitvertreib für die Druckkammer
Mit „Erbarmen“ kauft man sich laut Produktbeschreibung einen „dämonischen Psychothriller“ und bekommt auch einen solchen. Nicht mehr und nicht weniger.
Wer keine übermäßigen literarischen Ansprüche hat und eine temporeiche Urlaubslektüre sucht, kann mit 60 Seiten pro Stunde bis zum lupenreinen Showdown brettern. Solider Krimi-Stoff für die schnelle Bedürfnisbefriedigung

Wertung 3/5

1. Geht gar nicht     2. Is OK     3. Gut    4. Richtig gut     5. awesomatik!

Alle awesomatik Rezensionen auf einen Blick

awesomatik Kuriosum
Was sich als Buch gut verkauft, bringt bestimmt auch Zuschauer ins Kino. Und Zapzarap, hier ist schon die Verfilmung.
Sieht sehr gut aus! Nur Uffe hätte man besser besetzen können…

Ein anderer Roman in dem eine Druckkammer als Foltermethode eingesetzt wird ist übrigens Gnadenlos von Tom Clancy. 

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Erbarmen: Der erste Fall für Carl Mørck, Sonderdezernat Q  (Taschenbuch)

Erbarmen: Thriller (Kindle)

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11 Antworten to “Erbarmen – Jussi Adler Olsen”

  1. Morgen wird Gestern 26. März 2014 um 19:07 #

    Stimme dir bei deiner Kritik absolut zu! Ist ganz okay, aber hat den Hype nicht unbedingt verdient. Da merkt man wieder, was Vermarktung alles ausmacht…

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    • Ken Takel 2. Mai 2014 um 20:45 #

      Im Laden hätte ich mir es wohl nicht gekauft. Das ist auch die Gefahr vom Antiquariat…

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  2. bullion 26. März 2014 um 20:19 #

    Ich war damals deutlich mehr begeistert. War aber auch ein Zeitpunkt, an dem ich mal wieder Zeit zum Lesen hatte – und konnte dementsprechend durchbrettern… :)

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  3. Desirée Löffler 28. März 2014 um 12:19 #

    Nachdem ich von Stieg Larsson nach dem großen Hype ein bisschen enttäuscht war, hab ich um Herrn Jussi-O. erstmal einen Bogen gemacht, obwohl die Schwiegermama immer sagt, das sei ein Fehler. Andererseits hat sie das auch über Stieg Larsson gesagt, als ich mich am Anfang ein bisschen geziert habe. Und Deine Worte bestätigen mich ein bisschen in meinem Vorurteil, dass ich ganz gut ohne auskommen werde. Aber für den Fall, dass mich demnächst doch nochmal die große Krimi-Lust überfällt – kommt ja jetzt der Sommer – behalte ich es trotzdem im Hinterkopf.
    Habt Ihr wirklich ein Krimi-Antiquariat? Oder war das nur so dahingesagt?

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  4. Desirée Löffler 21. April 2014 um 09:45 #

    So, jetzt hat meine Schwiegermutter mir das Buch in die Hand gedrückt und ich habe es doch mal gelesen. Und ich muss mich Dir anschließen: alles sehr solide und spannend (allerdings war auch mir ziemlich schnell klar, wer der Bösewicht sein muss), aber komplett vom Hocker gerissen hat’s mich nicht. Ich hab allerdings auch ein paarmal schlucken müssen, weil mir Assad zu klischeebehaftet war, und auch das lesbische Paar, das wörtlich ‚zum Lächeln in den Keller geht‘ fand ich ein bisschen drüber. Trotzdem muss ich zugeben, ich habe schon überlegt wann ich die Schwiegermutter wiedersehe und ihr den zweiten Band entlocken kann…

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  1. Gone Girl – Gillian Flynn | awesomatik - 16. April 2014

    […] ich gerade erst mit Erbarmen von Jussi-Adler Olsen einen lupenreinen Krimi gelesen hatte, kann ich sagen, dass man hier zunächst mehr als den […]

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  2. awesomatik Books 2014 | awesomatik - 31. Dezember 2014

    […] 16. Erbarmen – Jussi Adler Olsen Solider Krimi-Stoff für die schnelle Bedürfnisbefriedigung […]

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